Nachdem Häxli hier jahrelang über ihren Alltag schwadroniert hatte, war 2014 dann Schluss.
Nicht, dass sie nichts mehr erlebt, oder getan hätte, sagt Häxli,
aber ihre Tage seien irgendwie plötzlich so voll gewesen,

und ja eigentlich wiederhole sich ja so vieles...

Später kam dann noch ein Häxli - Enkelkind dazu... (mittlerweile sind's zwei!),
da habe es Wichtigeres zu tun gegeben, als
Tagebuch zu schreiben.
Es musste gekuschelt und Geschichten erzählt und ganz viel Glace gegessen werden...
und wer schreibe schon Tagebuch, wenn man mit Enkelchen kuscheln und Glace essen könne...?

Aber jetzt tauchte da plötzlich dieses giftige C auf, und sie sei eine Teilzeitarbeitslose,
der Zaubergarten liege in tiefem Winterschlaf, und wolle in Ruhe gelassen werden,
sie renne zwar im Wald herum... also rennen im Sinne von gehen,
aber nicht spazieren, sondern schnelles gehen, allerdings auch nicht joggen, da würden ihre Knie knirschen,
ja und das Häuschen müsse schon einigermassen reinlich sein, aber übertreiben möge sie eben auch nicht,
 in der Zauberei beabsichtige sie auch wieder vermehrt zu üben,
aber den ganzen Tag putzen und bügeln und üben, für wen sei das schon erstrebenswert.

Und dann habe sie sich des Tagebuchs erinnert... und da gedenke sie jetzt
wieder häufiger dreinzuschreiben... also zumindest habe sie sich das so vorgenommen.
Aber was mit  Vorsätzen so passieren könne, wisse wohl auch jeder,
 der schon mal einen Vorsatz hatte. Die könnten nämlich ganz plötzlich kränkeln
oder sich in Luft auflösen, und dann stehe man dann da, und alles sei wieder beim Alten.

Also jedenfalls, solange der Vorsatz nicht kränkle oder sich gar aus dem Staub mache, schreibe sie jetzt
ab und zu wieder Tagebuch, respektive erzähle Märchen oder Geschichten.
 Selten Tatsachen, möglichst keine Lügen, selbige würde sie dann mit *Sternchen Tatsache
oder *Sternchen Lüge  deklarieren.



Also dann:

Liebes Tagebuch, heute war...
.
31. Januar 2021
* Tatsache
Februar - Imbolc - Lichtmess
+ Häxli's Geburts-Monat

*Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit;
ist es aber klar und hell,
kommt der Lenz wohl nicht so schnell.*

Es ist ganz schön viel los im Februar, dem Monat mit den vielen Namen,
dem ein Tag zugunsten von August(us)* geklaut wurde. 

Seine Wildheit als Narrenmonat, als die Winterdämonen mit lautem Gebrüll und
lustigem Treiben vertrieben wurden, verlor er gegen Ende seiner Herrschaft an den Hunger.
Die zur Neige gehenden Nahrungsmittel, zu Zeiten,
als der Mensch noch Selbstversorger war, bescherten ihm den Namen Hungermonat.
Nicht umsonst beginnt die Fastenzeit im Februar, es war auch einfach nicht mehr viel da.
Da die Frauen für die Lebensmittel zuständig waren, widmete man ihnen den Monat Februar,
denn sie mussten dafür sorgen, dass das Wenige an Vorräten für die Sippe noch ausreichte.
So wurde der Februar auch Weibermonat genannt.

Unseren heutigen Kalender verdanken wir den Römern, er wurde von Julius Cäsar eingeführt.
Die meisten Monatsnamen gehen zurück auf römische Götter - Janus, Mars, Maia, Juno, 
zu Ehren von Kaisern (Julius, Augustus) und auf ihre Stellung im Jahreskreis, Septem, Okto,
Nonem und Decem.

Der heutige Name des Monats Februar kommt vom lateinischen "februare" und bedeutet "reinigen."
Die Römer machten daraus Februarius. Da bei den Römern das Jahr mit dem Monat
März begann, war der Februar der letzte Monat des Jahres. Und zum Jahresende wurde 
geräumt und gereinigt, Reinigungsopfer dargebracht und geräuchert.
Wie wir das heutzutags in den Raunächten zum Jahresende auch (wieder) tun.

Schon damals wie heute muss/te der Februar auch die Zeitrechnung aufräumen.
Denn damit das Kalenderjahr nicht aus den Fugen gerät, hängt man ihm einfach 
alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag an.

Versuche die Monatsnamen einzudeutschen schlugen fehl. Karl der Grosse war der erste, der 
das um 800 herum versuchte. Ein weiterer Versuch 1927 scheiterte ebenso.

Demnach hiesse der Januar heute Eismond oder Hartung, weitere Monatsnamen wären:
Lenzmond, Heuet, Erntemond, Herbstmond, Weinmond, Nebelmond.
Der Februar ist der Monat in dem das Rotwild beginnt seine Hörner abzustossen, 
deshalb erhielt er den Namen Hornung. 

Hihi... jetzt habe sie wieder ganz schön weit ausgeholt, kichert Häxli,
aber gewissen Dingen gehe sie eben gerne auf den Grund.

Dabei war das jetzt erst der erste Teil.... 

Sitzt oder liegt ihr bequem? Habt ihr einen Tee oder ein Käffchen zur Seite?

... denn, Teil zwei folgt sogleich. 

Der Februar startet schon furios mit einem Jahreskreisfest, dem dritten im keltischen
Jahreskreis. Wie jetzt, das Dritte? 

Die Kelten unterteilten ihr Jahr in acht Teile.  Die 4 Sonnenwenden - die hohen Festtage-
und die Mondfeste: Samhain, Imbolc, Beltane und Lugnasad.
Das keltische Jahr begann mit Samhain, dem Mondfest am 1. November, 
darauf folgt die Wintersonnenwende, mit dem Sonnenfest -Jule, am 21.12.
Das Mondfest Imbolc ( -->RundumWaschung, spirituelle Reinigung) 
vom 1. auf den 2. Februar ist somit das dritte Jahreskreisfest.
Mit Imbolc war auch die Hälfte der dunklen Jahreszeit, die von Samhein bis Beltane dauerte,
vorbei. Die Tage wurden länger, das Licht, zu Jule neugeboren, kehrte zurück.

Die Druiden führten Reinigungsrituale durch und sprachen Zauberworte für das Wohl
der Mitmenschen. Sie luden magische Weidenstäbe mit guter Energie auf, diese Stäbe
schenkten sie den Hirten, auf dass sie immer zu nahrhaften Weiden geführt und vor
Naturgewalten bewahrt sein würden.
Ein weiterer Name für Imbolc ist Oimelc. Er steht für das Milchgeben der Mutterschafe,
denn schon bald werden sie die ersten Lämmer gebären. Und somit war Imbolc/ Oimelc
das grösste Hirtenfest der Kelten.

Zu Imbolc wurden mit Räuchern die Krankheitsdämonen vertrieben,
die sich in den, gegen die Kälte verrammelten Häuser, eingenistet hatten.
Feuer und Licht spielte eine wichtige Rolle. So wurden alle Kerzen im Haus für eine Weile
angezündet, um das Heim vor Unheil zu bewahren.

Maria Lichtmess geht auf dieses keltische Ritual zurück.
Noch heute werden in Kirchen zu Lichtmess Kerzen geweiht.

Wir, die wir heutzutags nicht mehr monatelang im Dunklen verbringen müssen,
können Imbolc trotzdem feiern, sagt Häxli. Wir dürfen uns auf das Erwachen der
Natur freuen, vielleicht finde sie in ihrem Zaubergarten sogar das erste Schneeglöckchen.
Auf jeden Fall führe sie eine Reinigungsräucherung durch, und
vertreibe damit all das, was jetzt wirklich gehen dürfe.
So dass das was kommen wolle, seinen Platz finde.




*
Als die Römer zu Ehren von Kaiser Augustus den sechsten Monat - das Jahr begann ja mit März - in August umbenannten, hatte dieser Monat nur 30 Tage. Um nicht hinter dem Vormonat mit 31 Tagen hinterherzuhinken, wurde der August auf 31 Tage verlängert. Diesen Tag nahm man dem Februar weg; auf diese Weise verkürzte sich der Februar von 29 auf 28 Tage. ( Quelle: festjahr.de)
11. Januar 2021
Geschenke...
Häxli ist häufig im Wald anzutreffen, wie sich das für Hexen nun mal so gehöre.
In erster Linie schaue sie ja nach ihren Lieblingsplätzen,
gucke, ob schon neue Keimlinge spriessen,
oder ob sich die Schwäne - nebst all den anderen Häxli-Lieblingstieren-
auch ein Häxli-Lieblingstier - wieder mal zeigten.

Und manchmal bekomme sie sogar ganz tolle Geschenke.
Öfters geschehe dies in Form von guten Ideen oder Inspirationen,
wobei sie Häxli schon wisse, dass "gut" von jedem anders
definiert werde.
Die eine finde gut, was für die andere nicht mal gut genug zum denken sei.

Die Geschenke heute aber waren richtige Schwergewichte,
also im übertragenen Sinne.
Gleich zwei Vogelfedern habe sie gefunden, sagt Häxli und fragt daraufhin nach,
ob sie schon mal von ihrer Vorliebe für Vogelfedern erzählt habe?

Wisst ihr,
flüstert Häxli, Federn sind Gaben und Zeichen der Götter und Naturwesen.
Denn die Feder als Teil des Vogels, der sich in himmlischen Gefilden bewege,
 fiele ja auch vom Himmel.
Bei den Römern schmückte man die Heiligtümer mit Federn.
Die Macht des Göttlichen mache die Feder auch zu einem Symbol der Macht
und des Mutes. Man denke da etwa an den Kopfschmuck der indianischen Völker.

Auch besässen viele Götter Vögel als Begleittiere.
Alsda wäre Odin mit seinen zwei Raben, Hugin und Munin.
Hugin, der Gedanke, der über alles nachdenkt was er sieht,
Munin, die Erinnerung, der sich an alles erinnert, was er gesehen hat.
 Athene hatte ihre Eule und Jupiter seinen Adler.


Die ägyptische Hieroglyphe für Wahrheit sei eine Feder, und
 
im christlichen Glauben stehe sie symbolisch für Frieden und Mystik,
für Bewusstheit und Licht. Also was glaubt ihr, warum Engel Flügel haben?

Und erst die Göttin Hulda, unsere liebe Frau Holle, die ihre
Decken ausschüttet, damit es auf der Erde schneit.
Die Federn werden in ihrer Leichtigkeit dem Luftelement zugeschrieben,
und dem Schnee gleichgesetzt, und so verteilt Hulda oder eben Frau Holle,
mit dem Schütteln der Decken ihren göttlichen Segen über das Land.


So, sagt Häxli, sie ihrerseits habe sich riesig über die Geschenke gefreut,
und sich für die Gaben angemessen bedankt. Natürlich müsse sie jetzt noch
nachforschen, was ihr diese Federn exakt zu sagen hätten. Da müsse man
auch vieles beachten und bedenken, damit man die für einen bestimmte
Information auch richtig deute.*

Ja, und den Schlüssel den sie auch noch gefunden habe,
den hätte sie auf's Fundbüro gebracht.
Denn nicht alles was man finde stehe einem auch zu.



*Natürlich gebe es ihrer Ansicht nach auch Vögel, die nur Sche...e von sich geben.
Die Lachmöwe sei so ein Beispiel. Da kämen ihr nur Toilettenhäuschen in den Sinn.
Nachdem ihr eine Möwe vor Jahren, beim Seehundebecken in Skansen,
 auf den Kopf gekackt hatte -und die machen RIESEN Haufen-
verbrachte sie eine ganze Weile in so einem
Toilettenhäuschen, bis sie wieder leutetauglich gewesen sei.
 Also über jene Message wolle sie gar nicht zu lange nachdenken,
das sei einfach nur ein Arschlochvogel gewesen.



6. Januar 2021

Feeee... wach auf, es hat geschneit....


Häxli ist hellwach und völlig aus dem Häuschen.

Normalerweise, also an Tagen ohne Schnee, schlurft sie in die Küche,
Fee bekommt ihr Futter, Häxli ein "Häferl", zwei, drei Kaffee, den sie schwesterlich
mit ihrer Zauberfee teilt, und dann ist sie wach.
Das sind die Tage im Jahr, an denen Häxli so alt ist, wie sie ist.

Aber heute, und an all den anderen Tagen mit Schnee,
ist Häxli
wieder Kind.
Schnell Fee, wir müssen in den Wald, unsere Zauberwünsche überbringen,
die allerletzte Raunacht ist gerade erst vorbei,
da kommen die Wünsche schon noch an, sagt sie.

Aber Häxli, du hast doch schon die 13 Raunachtswünsche gewünscht,
was willst du denn noch mehr?
Nun also, wünschen kann man nie genug, es könne ja sein,
dass alle himmlischen Wünscheerfüller gerade sehr
beschäftigt seien, und der Wunsch in der Warteschlaufe vergessen ginge,
oder dass der Wunsch gar nicht erst ankomme, und da sei es schon
von Vorteil, wenn der Wunsch mehr als einmal gewünscht werde.

Ausserdem eins, sei eine präziese Deklaration des Wunsches von äusserster
Wichtigkeit, ja sogar Match entscheidend, doziert Häxli.
Und sie rate ganz allgemein dazu gross zu wünschen,
denn bis der Wunsch wieder auf der Erde ankomme,
sei er automatisch wieder kleiner.

Ausserdem zwei, seien die Raunachtwünsche und die heutigen Wünsche
zwei verschiedene Paar Pantoffeln.
Die Rauhnachtwünsche übergebe man dem Feuer, damit der
aufsteigende Rauch sie zum Himmel trage.
Die heutigen Wünsche übergebe sie dem Schnee, der irgendwann
zu Wasser wird, das irgendwann versickert, und die Wünsche
so direkt der Mutter Erde übergäbe.

Wer die Wünsche schlussendlich erfülle, die himmlischen Wesen,
oder Mutter Erde mit ihren vielen Helfer, das könnten die
dann selber untereinander abmachen.
Sie, Häxli, habe dann jedenfalls ihr Bestes gegeben.
Jetzt müssten Fee und sie, Häxli, nur noch ganz fest daran glauben.
Mehr könne sie nicht tun, sagt Häxli, und stapft in Richtung Wald.







Seht ihr es auch? Frühmorgens, wenn über den Wäldern zarter Rauch aufsteigt, mögt ihr es
vielleicht für Nebelschwaden halten, die über die Bäume und Felder wabern.
Oder ihr denkt es sei Dunst, der vom feuchten Waldboden aufbricht
und sich mit den ersten Sonnenstrahlen verflüchtigen wird.
Doch, wenn ihr euch die Zeit nehmt und die Nase in die Luft streckt,
könnt ihr den zarten Holzfeuerduft riechen.
Diesen Geruch aus Urzeiten, der schon immer Heimkommen. Wärme,
Essen und Geborgenheit bedeutete.
Aber da ist noch etwas  ... würziges?
Richtig! Die Hexen sind am Süppchen kochen, oder ist es womöglich ein Zaubertrank?
Vielleicht bestellt von einem unglücklich Verliebten, dessen Werben aussichtslos war,
und der seine Angebetete nun mittels zauberhaftem Liebestrank zu erobern hofft.
Oder mag es gar die Order eines zänkischen Weibes sein,
die ihren vermeintlichen Widersachern Schaden zufügen will.
Bestenfalls kocht da im Feuertopf auch einfach das Mittagessen
für die Hexenkinderschar.
Was es auch sein mag, wir wissen es nicht, und niemand ist töricht genug,
die Hexen danach zu fragen.

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