Nachdem Häxli hier jahrelang über ihren Alltag schwadroniert hatte, war 2014 dann Schluss.
Nicht, dass sie nichts mehr erlebt, oder getan hätte, sagt Häxli,
aber ihre Tage seien irgendwie plötzlich so voll gewesen,

und ja eigentlich wiederhole sich ja so vieles...

Später kam dann noch ein Häxli - Enkelkind dazu... (mittlerweile sind's zwei!),
da habe es Wichtigeres zu tun gegeben, als
Tagebuch zu schreiben.
Es musste gekuschelt und Geschichten erzählt und ganz viel Glace gegessen werden...
und wer schreibe schon Tagebuch, wenn man mit Enkelchen kuscheln und Glace essen könne...?

Aber jetzt tauchte da plötzlich dieses giftige C auf, und sie sei eine Teilzeitarbeitslose,
der Zaubergarten liege in tiefem Winterschlaf, und wolle in Ruhe gelassen werden,
sie renne zwar im Wald herum... also rennen im Sinne von gehen,
aber nicht spazieren, sondern schnelles gehen, allerdings auch nicht joggen, da würden ihre Knie knirschen,
ja und das Häuschen müsse schon einigermassen reinlich sein, aber übertreiben möge sie eben auch nicht,
 in der Zauberei beabsichtige sie auch wieder vermehrt zu üben,
aber den ganzen Tag putzen und bügeln und üben, für wen sei das schon erstrebenswert.

Und dann habe sie sich des Tagebuchs erinnert... und da gedenke sie jetzt
wieder häufiger dreinzuschreiben... also zumindest habe sie sich das so vorgenommen.
Aber was mit  Vorsätzen so passieren könne, wisse wohl auch jeder,
 der schon mal einen Vorsatz hatte. Die könnten nämlich ganz plötzlich kränkeln
oder sich in Luft auflösen, und dann stehe man dann da, und alles sei wieder beim Alten.

Also jedenfalls, solange der Vorsatz nicht kränkle oder sich gar aus dem Staub mache, schreibe sie jetzt
ab und zu wieder Tagebuch, respektive erzähle Märchen oder Geschichten.
 Selten Tatsachen, möglichst keine Lügen, selbige würde sie dann mit *Sternchen Tatsache
oder *Sternchen Lüge  deklarieren.



Also dann:

Liebes Tagebuch, heute war...
.
11. Januar 2021
Geschenke...
Häxli ist häufig im Wald anzutreffen, wie sich das für Hexen nun mal so gehöre.
In erster Linie schaue sie ja nach ihren Lieblingsplätzen,
gucke, ob schon neue Keimlinge spriessen,
oder ob sich die Schwäne - nebst all den anderen Häxli-Lieblingstieren-
auch ein Häxli-Lieblingstier - wieder mal zeigten.

Und manchmal bekomme sie sogar ganz tolle Geschenke.
Öfters geschehe dies in Form von guten Ideen oder Inspirationen,
wobei sie Häxli schon wisse, dass "gut" von jedem anders
definiert werde.
Die eine finde gut, was für die andere nicht mal gut genug zum denken sei.

Die Geschenke heute aber waren richtige Schwergewichte,
also im übertragenen Sinne.
Gleich zwei Vogelfedern habe sie gefunden, sagt Häxli und fragt daraufhin nach,
ob sie schon mal von ihrer Vorliebe für Vogelfedern erzählt habe?

Wisst ihr,
flüstert Häxli, Federn sind Gaben und Zeichen der Götter und Naturwesen.
Denn die Feder als Teil des Vogels, der sich in himmlischen Gefilden bewege,
 fiele ja auch vom Himmel.
Bei den Römern schmückte man die Heiligtümer mit Federn.
Die Macht des Göttlichen mache die Feder auch zu einem Symbol der Macht
und des Mutes. Man denke da etwa an den Kopfschmuck der indianischen Völker.

Auch besässen viele Götter Vögel als Begleittiere.
Alsda wäre Odin mit seinen zwei Raben, Hugin und Munin.
Hugin, der Gedanke, der über alles nachdenkt was er sieht,
Munin, die Erinnerung, der sich an alles erinnert, was er gesehen hat.
 Athene hatte ihre Eule und Jupiter seinen Adler.


Die ägyptische Hieroglyphe für Wahrheit sei eine Feder, und
 
im christlichen Glauben stehe sie symbolisch für Frieden und Mystik,
für Bewusstheit und Licht. Also was glaubt ihr, warum Engel Flügel haben?

Und erst die Göttin Hulda, unsere liebe Frau Holle, die ihre
Decken ausschüttet, damit es auf der Erde schneit.
Die Federn werden in ihrer Leichtigkeit dem Luftelement zugeschrieben,
und dem Schnee gleichgesetzt, und so verteilt Hulda oder eben Frau Holle,
mit dem Schütteln der Decken ihren göttlichen Segen über das Land.


So, sagt Häxli, sie ihrerseits habe sich riesig über die Geschenke gefreut,
und sich für die Gaben angemessen bedankt. Natürlich müsse sie jetzt noch
nachforschen, was ihr diese Federn exakt zu sagen hätten. Da müsse man
auch vieles beachten und bedenken, damit man die für einen bestimmte
Information auch richtig deute.*

Ja, und den Schlüssel den sie auch noch gefunden habe,
den hätte sie auf's Fundbüro gebracht.
Denn nicht alles was man finde stehe einem auch zu.



*Natürlich gebe es ihrer Ansicht nach auch Vögel, die nur Sche...e von sich geben.
Die Lachmöwe sei so ein Beispiel. Da kämen ihr nur Toilettenhäuschen in den Sinn.
Nachdem ihr eine Möwe vor Jahren, beim Seehundebecken in Skansen,
 auf den Kopf gekackt hatte -und die machen RIESEN Haufen-
verbrachte sie eine ganze Weile in so einem
Toilettenhäuschen, bis sie wieder leutetauglich gewesen sei.
 Also über jene Message wolle sie gar nicht zu lange nachdenken,
das sei einfach nur ein Arschlochvogel gewesen.



6. Januar 2021

Feeee... wach auf, es hat geschneit....


Häxli ist hellwach und völlig aus dem Häuschen.

Normalerweise, also an Tagen ohne Schnee, schlurft sie in die Küche,
Fee bekommt ihr Futter, Häxli ein "Häferl", zwei, drei Kaffee, den sie schwesterlich
mit ihrer Zauberfee teilt, und dann ist sie wach.
Das sind die Tage im Jahr, an denen Häxli so alt ist, wie sie ist.

Aber heute, und an all den anderen Tagen mit Schnee,
ist Häxli
wieder Kind.
Schnell Fee, wir müssen in den Wald, unsere Zauberwünsche überbringen,
die allerletzte Raunacht ist gerade erst vorbei,
da kommen die Wünsche schon noch an, sagt sie.

Aber Häxli, du hast doch schon die 13 Raunachtswünsche gewünscht,
was willst du denn noch mehr?
Nun also, wünschen kann man nie genug, es könne ja sein,
dass alle himmlischen Wünscheerfüller gerade sehr
beschäftigt seien, und der Wunsch in der Warteschlaufe vergessen ginge,
oder dass der Wunsch gar nicht erst ankomme, und da sei es schon
von Vorteil, wenn der Wunsch mehr als einmal gewünscht werde.

Ausserdem eins, sei eine präziese Deklaration des Wunsches von äusserster
Wichtigkeit, ja sogar Match entscheidend, doziert Häxli.
Und sie rate ganz allgemein dazu gross zu wünschen,
denn bis der Wunsch wieder auf der Erde ankomme,
sei er automatisch wieder kleiner.

Ausserdem zwei, seien die Raunachtwünsche und die heutigen Wünsche
zwei verschiedene Paar Pantoffeln.
Die Rauhnachtwünsche übergebe man dem Feuer, damit der
aufsteigende Rauch sie zum Himmel trage.
Die heutigen Wünsche übergebe sie dem Schnee, der irgendwann
zu Wasser wird, das irgendwann versickert, und die Wünsche
so direkt der Mutter Erde übergäbe.

Wer die Wünsche schlussendlich erfülle, die himmlischen Wesen,
oder Mutter Erde mit ihren vielen Helfer, das könnten die
dann selber untereinander abmachen.
Sie, Häxli, habe dann jedenfalls ihr Bestes gegeben.
Jetzt müssten Fee und sie, Häxli, nur noch ganz fest daran glauben.
Mehr könne sie nicht tun, sagt Häxli, und stapft in Richtung Wald.







Seht ihr es auch? Frühmorgens, wenn über den Wäldern zarter Rauch aufsteigt, mögt ihr es
vielleicht für Nebelschwaden halten, die über die Bäume und Felder wabern.
Oder ihr denkt es sei Dunst, der vom feuchten Waldboden aufbricht
und sich mit den ersten Sonnenstrahlen verflüchtigen wird.
Doch, wenn ihr euch die Zeit nehmt und die Nase in die Luft streckt,
könnt ihr den zarten Holzfeuerduft riechen.
Diesen Geruch aus Urzeiten, der schon immer Heimkommen. Wärme,
Essen und Geborgenheit bedeutete.
Aber da ist noch etwas  ... würziges?
Richtig! Die Hexen sind am Süppchen kochen, oder ist es womöglich ein Zaubertrank?
Vielleicht bestellt von einem unglücklich Verliebten, dessen Werben aussichtslos war,
und der seine Angebetete nun mittels zauberhaftem Liebestrank zu erobern hofft.
Oder mag es gar die Order eines zänkischen Weibes sein,
die ihren vermeintlichen Widersachern Schaden zufügen will.
Bestenfalls kocht da im Feuertopf auch einfach das Mittagessen
für die Hexenkinderschar.
Was es auch sein mag, wir wissen es nicht, und niemand ist töricht genug,
die Hexen danach zu fragen.

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